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Italiener und ihre Faszination für kurze Spitznamen

Sieben ältere Herren spielen Karten an einem Tisch in Süditalien
Italiener sind gut darin, für jeden einen kurzen Spitznamen zu finden (Foto: Nick Fewings/Unsplash).

„Paul? Wer ist Paul?“, fragten wir unseren Tischnachbarn beim alljährlichen Dorfmittagessen auf der Terrasse der Bar. Wir verstanden nicht, wen er meinte; wir hatten noch nie von einem Mann namens Paul gehört, obwohl unser kleines Dörfchen nur ein paar Dutzend Einwohner zählt. War Paul ein Einsiedler, der nie das Haus verließ? 

„Pierpaul!“, war die überraschende Antwort. „Oh, Pier!“, riefen wir begeistert. Ja, wir kannten ihn. Den gutmütigen Schreiner mit seiner Werkstatt neben unserem Garten, der nur noch sieben Finger hatte – die Folge einiger Arbeitsunfälle. Sein Name war also Pierpaul! Das wussten wir nicht, und anscheinend nannten ihn manche Pier und andere Paul. Offenbar finden unsere italienischen Nachbarn im Dorf Pierpaul zu groß. 

Kurz, kürzer, am kürzesten

Italiener bevorzugen im Alltag kurze Spitznamen. Vornamen eignen sich gut für Steuerkennzeichen und bürokratische Formulare, aber die benutzt man nicht unter Freunden.

Viele italienische Vornamen haben daher alternative, kurze Nachnamen. Viele dieser Namen sind so gebräuchlich geworden, dass der Namensträger nur noch selten mit seinem vollständigen Namen angesprochen wird. 

Diese Kurzformen entstehen auf unterschiedliche Weise: durch Verkürzung (z. B. Giovanni → Gianni), durch Verkleinerungsformen mit Suffixen wie -ino/-ina (Giuseppe → Giuseppino → Pino) ​​oder durch Wiederholung/Verzerrung eines Lautes (Salvatore → Totò).

Auch regionale Gepflogenheiten spielen eine Rolle. So variiert beispielsweise der Spitzname für denselben Vornamen manchmal je nach Region. 

Hier gebe ich Ihnen einen Überblick über gängige Spitznamen, damit Sie wissen, wen ein Italiener mit einem solchen Namen meint.

Männliche Rufnamen

Antonio – Tonino, Toni, Totò, Nino (auch Antò)

Tonino ist eine Verkleinerungsform, Toni ist eine Kurzform des Namens, und Totò ist ein dialektaler Spitzname (besonders in Neapel und Umgebung), der durch die Wiederholung des „to“-Lautes gebildet wird. Die Abkürzung Nino ist in Süditalien verbreitet. Antò ist eine regionale Abkürzung.

Domenico – Mimmo, Mico 

Mimmo ist vor allem in Süditalien gebräuchlich. Der Ursprung ist phonetisch: möglicherweise über die Verkleinerungsform Domenico → Domenichino → Mimmo. Mico ist eine alternative Abkürzung, insbesondere in Kalabrien.

Francesco – Franco, Checco/Cecco, Ciccio 

Franco setzt sich aus der ersten und letzten Silbe von Francesco zusammen und ist auch ein eigenständiger Name geworden. Checco/Cecco sind ältere Kurzformen (historisch belegt z. B. in der Toskana/Venetien; der Dichter Francesco Petrarca wurde Cecco genannt). Ciccio (ausgesprochen „Tjietsjjo“) ist ein informeller Spitzname, besonders im Süden, der oft liebevoll verwendet wird.

Giuseppe – Pino, Peppe (und Peppino), Beppe 

Giuseppe hat viele Kurzformen. Pino entsteht durch die Verkleinerungsform Giuseppino, wobei der letzte Teil des Namens verwendet wird. Peppe entsteht durch Verdopplung der zweiten Silbe (Giuseppe → Pep-pe), und Peppino ist die Verkleinerungsform davon. Beppe ist die toskanische Variante von Peppe.

Pasquale – Lino, Paco

Pasquale wird oft mit dem Kosenamen Pasqualino bezeichnet. Ein beliebter Spitzname ist Lino, eine Kurzform von Pasqualino. In Neapel wird gelegentlich auch Paco verwendet. 

Salvatore – Salvo, Turi, Totò, Tore, Sasà 

Salvo ist eine einfache Abkürzung. Turi ist ein sizilianischer Spitzname (von Turiddu, einer dialektalen Verkleinerungsform). Totò kommt auch in Verbindung mit Salvatore vor; insbesondere im neapolitanischen Kontext sieht man, dass sowohl Antonio als auch Salvatore den Spitznamen Totò verwenden. Tore lässt die erste Silbe weg. Es gibt auch stark dialektale Formen wie Sasà (neapolitanisch).

Vincenzo – Enzo, Cenzo, Vincenzino, Cece 

Enzo ist die bekannteste Abkürzung und leitet sich von der letzten Lautgruppe ab. Enzo ist auch die Kurzform von Lorenzo und wird heute oft als eigenständiger Vorname verwendet. Cenzo (ausgesprochen Tsjenzo) ist eine Alternative. Vincenzino ist eine Verkleinerungsform, die oft für einen jungen Vincenzo verwendet wird. Cece (ausgesprochen Tjetsje) ist ein liebevoller Spitzname, bei dem der zweite Laut wiederholt wird.

Luigi – Gigi 

Gigi (ausgesprochen Jie-jie) leitet sich von Luigi durch Wiederholung des Gi-Lautes ab.

Filippo – Pippo 

Pippo ist eine gängige Kurzform von Filippo. Der Name wird durch die Wiederholung des Pi-Lautes mit einem veränderten Konsonanten verkürzt. Interessanterweise wird Pippo je nach Region auch als Kurzform von Giuseppe verwendet.

Lorenzo-Renzo, Enzo 

Bei Renzo entfällt die erste Silbe, Lo-, einfach. Enzo kann auch von Lorenzo abgeleitet sein. 

Alessandro – Sandro, Ale 

Sandro entsteht durch Weglassen der ersten Silbe. Diese Abkürzung ist so verbreitet, dass Sandro auch als eigenständiger Name vorkommt. Umgangssprachlich wird er oft auch Ale genannt, einfach die ersten beiden Silben. Im modernen Sprachgebrauch findet man, dem englischen Beispiel folgend, auch Alex, traditionell ist Sandro jedoch gebräuchlicher.

Leonardo – Leo, Dino 

Leo ist die offensichtliche Abkürzung der ersten Silbe. Dino ist eine interessantere Abkürzung: Man bildet zuerst die Verkleinerungsform Leonardino und nimmt dann den letzten Teil davon. 

Giovanni – Gianni, Nino

Gianni ist die übliche Kurzform von Giovanni (vergleiche den Übergang von Johannes zu Jan in den Niederlanden). Gianni wird seit Jahrhunderten als Kurzform verwendet. Nino wiederum stammt von der Verkleinerungsform ab. 

Andere gängige Jungennamen folgen ähnlichen Mustern. So wird Giorgio beispielsweise oft Gigi oder Gio genannt, Raffaele in Neapel Lello oder Lele, Emanuele Lele, Daniele Dani, Stefano Stef und so weiter.

In der heutigen Zeit sehen wir auch Einflüsse aus dem internationalen Sprachgebrauch: zum Beispiel wird Massimiliano oder Massimo manchmal mit dem englischen Spitznamen Max, Federico → Freddy/Fede und Alessandro → Alex bezeichnet, aber das sind keine ursprünglich italienischen Formen.

weibliche Spitznamen

Traditionelle Kurzformen von Spitznamen sind bei weiblichen Vornamen etwas seltener als bei männlichen. Frauen behalten oft ihren vollständigen Namen oder verwenden Formen, die ihn verlängern, anstatt ihn zu verkürzen. Hier einige Beispiele:

Giovanna – Vanna, Gianna, Gia, Giannina 

Giovanna (die weibliche Form von Giovanni) hat mehrere Varianten. Gianna und Giannina sind gängige Beispiele. Vanna entsteht durch Weglassen von Gio-. Gia ist eine modernere Abkürzung.

Giuseppina – Pina, Giusy/Giusi, Peppina 

Giuseppina ist die weibliche Form von Giuseppe. Dieser Name wird fast immer zu Pina abgekürzt. Giusy (oder Giusi) ist ein modernerer Kosename, der im 20. Jahrhundert als modische Abkürzung aufkam. Peppina ist die Verkleinerungsform. Früher nannten Familienmitglieder eine junge Giuseppina liebevoll Peppinella. 

Maria – Mari, Marietta/Mariuccia et al 

Maria wird im Italienischen üblicherweise nicht abgekürzt. Man sagt in der Regel einfach Maria. Spitznamen sind eher Verkleinerungsformen, die den Namen verlängern: So könnte eine Maria als Kind Mariuccia oder Marietta genannt werden. Mari wird manchmal informell innerhalb der Familie verwendet, ist aber kein fester Spitzname.

Anna – Annina, Annuccia

Anna ist bereits kurz; es gibt keine gängige Abkürzung. Stattdessen erhält Anna oft einen längeren Kosenamen. Annina, und in manchen Dialekten (z. B. im Römischen, Neapolitanischen) hört man auch Annuccia.

Alessandra – Sandra, Alessia, Ale

Sandra entsteht durch Weglassen des Präfixes. Alessia war ursprünglich ein Kosename, ist aber so beliebt geworden, dass er als Eigenname gilt. Umgangssprachlich wird auch oft Ale verwendet.

Caterina – Rina, Cati (manchmal auch Cate/Katy) 

Rina ist die Endung von Caterina und ein traditioneller Spitzname in Italien. Cati (ausgesprochen Káh-ti) wird ebenfalls als Kurzform verwendet. Jüngere Generationen verwenden manchmal die englischen Formen Cate (Kate) oder Katy.

Elisabetta – Betta, Betty, Elisa, Eli, Lisetta

Betta ist ein sehr gebräuchlicher Spitzname. Manchmal wird auch Betty selbst verwendet, allerdings italienisch ausgesprochen (Bèt-ti). Elisa wird ebenfalls als Kurzform benutzt. Daneben gibt es informelle Spitznamen wie Eli oder Lisetta.

Concetta – Cettina, Cetta, Tina, Cece

Concetta ist traditionell vor allem im Süden verbreitet. Der Name wird oft zu Concettina abgekürzt, wovon Cettina der Spitzname ist. Cetta ist ebenfalls gebräuchlich. Viele Concettas werden auch Tina genannt, eine gängigere Kurzform, die einfach die letzten Buchstaben verwendet. In manchen Regionen hört man den Namen auch als Cece (ausgesprochen Tetsje).

Francesca – Franci/Fra, Chicca (ehemals Cecca/Ciccia) 

Francesca hat informelle Abkürzungen wie Franci (oder Francy, mit y) und Fra – das sind einfache Abkürzungen des Namens. Historisch und regional sind jedoch auch spezifische Spitznamen bekannt. So wurde Francesca früher in Venetien oft Checca/Cecca genannt.

Anderswo ist Chicca (ausgesprochen Kiek-ka) gebräuchlicher; dies ist ein liebevoller Spitzname, der „Liebling“ bedeutet, aber oft Francesca gegeben wird. (Checca wird außerhalb Venetiens heute vermieden, da es in der modernen Umgangssprache eine abwertende Bedeutung angenommen hat.)  

Beatrice – Bea, Bice

Bea ist die übliche Abkürzung für Beatrice. Manchmal wird auch Bice verwendet, insbesondere historisch bedingt: Der Dichter Dante nannte seine geliebte Beatrice Portinari liebevoll „Bice“.

Wir sehen auch Verkleinerungsformen und Euphemismen für andere Frauennamen. Veronica wird auch Vero genannt, Gabriella → Gabry oder Ella, Patrizia → Patty, Simona → Simo, Martina → Tina, und Chiara wird manchmal Chiaretta (Verkleinerungsform) genannt, aber nicht als Kurzform.

Alphabetische Liste der Rufzeichen

  • Ale – Alessandro / Alessandra
  • Alessia – Alessandra
  • Ale (weiblich) – Alessandra
  • Ale (männlich) – Alessandro
  • Antò – Antonio
  • Annina – Anna
  • Annuccia – Anna
  • Bea – Beatrice
  • Beppe – Giuseppe
  • Betta – Elisabetta
  • Betty – Elisabetta
  • Bice – Beatrice
  • Cati – Caterina
  • Cate/Katy – Caterina
  • Catta/Cetta – Concetta
  • Cece – Vincenzo / Concetta
  • Cecco/Checco – Francesco
  • Cenzo – Vincenzo
  • Chiaretta – Chiara
  • Chicca – Francesca
  • Ciccio – Francesco
  • Ciccia – Francesca (historisch)
  • Concettina/Cettina – Concetta
  • Dani – Daniele
  • Dino – Leonardo
  • Ella – Gabriella
  • Eli – Elisabetta
  • Elisa – Elisabetta
  • Enzo – Vincenzo / Lorenzo
  • Fede – Federico
  • Fra – Francesca
  • Franci / Francy – Francesca
  • Franco – Francesco
  • Gabry – Gabriella
  • Gia – Giovanna
  • Gianna – Giovanna
  • Giannina – Giovanna
  • Gianni – Giovanni
  • Gigi – Luigi / Giorgio
  • Gio – Giorgio
  • Giusy / Giusi – Giuseppina
  • Lello / Lele – Raffaele / Emanuele
  • Leo – Leonardo
  • Lello – Raffaele
  • Lele – Raffaele / Emanuele
  • Lino – Pasquale
  • Lisetta – Elisabetta
  • Mari – Maria
  • Marietta – Maria
  • Mariuccia – Maria
  • Max – Massimiliano / Massimo
  • Mico – Domenico
  • Mimmo – Domenico
  • Nino – Antonio / Giovanni
  • Paco – Pasquale
  • Patty – Patrizia
  • Peppina – Giuseppina
  • Peppinella – Giuseppina
  • Peppe – Giuseppe
  • Peppino – Giuseppe
  • Pina – Giuseppina
  • Pino – Giuseppe
  • Pippo – Filippo (manchmal Giuseppe)
  • Renzo – Lorenzo
  • Rina – Caterina
  • Salvo – Salvatore
  • Sasà – Salvatore
  • Sandro – Alessandro
  • Simo – Simona
  • Stef – Stefano
  • Tina – Concetta / Martina
  • Tore – Salvatore
  • Toni – Antonio
  • Tonino – Antonio
  • Totò – Antonio / Salvatore
  • Turi – Salvatore
  • Vanna – Giovanna
  • Vero – Veronica

Geschrieben von Stefan Smulders

Stef Smulders ist ein Niederländer, der 2008 mit Ehemann Nico und Hund Saar nach Italien auswanderte, um dort ein B&B zu eröffnen. Er verkaufte sein Haus, ließ Familie und Freunde zurück und wagte den Sprung ins Unbekannte. 2014, fast fünf Jahre später, berichtete er in dem Buch „Italienische Verhältnisse“ über seine Erlebnisse. Über den Kauf eines Hauses mit einem flüchtigen Immobilienmakler, dessen Renovierung mit einem hartnäckigen Bauunternehmer, aber auch über lustige und lehrreiche Begegnungen mit besonderen Italienern. „Italian Conditions“ ist mittlerweile das am höchsten bewertete Italien-Buch auf bol.com und wurde ins Englische, Italienische und Spanische übersetzt. 2016 schrieb er die Fortsetzung: „More Italian Conditions“ und 2017 erschien Teil 3, „Noch mehr Italian Conditions“. Im Jahr 2021 veröffentlichte Stef seine erste Sammlung sehr kurzer Comic-Geschichten unter dem Titel „Visiting Hour and 99 Other Short Comic Stories“. Kürzlich wurde die Sammlung „Real Italy“ über das tägliche Leben in Italien veröffentlicht. Alle Informationen zu Stef und seinen Büchern finden Sie hier stefsmulders.nl.

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