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Roman: Verfolgung

Schweiz

Nach den Skandinaviern erobern seit einiger Zeit auch die Italiener den Regalplatz im Buchhandel. Von Alessandro Piperno in den Niederlanden haben wir allerdings noch nicht viel gehört Mit den schlimmsten Absichten erschienen (2006). Jetzt gibt es da Strafverfolgung (italienischer Titel: Verfolgung).

Ich wollte Persecution lesen, weil ich als Italophiler gerne sowohl in die italienische Sprache als auch in die italienische Kultur eintauche. Und was die Kultur betrifft, gibt es viel. Neben einer Vielzahl von Filmen gibt es viele lesenswerte Bücher italienischer Schriftsteller. Vorausgesetzt, man mag das Genre. Denn auch Strafverfolgung ist in dieser Hinsicht typisch italienisch.

Keine Handlung, aber Charaktere

Sowohl Filme als auch Bücher von Il Bel Pease drehen sich oft um Familien, Ereignisse aus der Vergangenheit und die sie umgebende Tragödie. Es geht nicht so sehr um die Handlung oder die Handlung, sondern um die Charaktere und ihre Entwicklung.

In Strafverfolgung Wir treffen Leo Pontecorvo, einen erfolgreichen Kinderonkologen mit einer ebenso erfolgreichen Familie, einem schönen Zuhause und 2 Söhnen. Aber das kann natürlich nicht so bleiben, sonst hat man keine Geschichte.

Und tatsächlich wird schon zu Beginn des Buches deutlich, dass „il professore“ in ernsthaften Schwierigkeiten steckt. Im Krankenhaus wurde Betrug aufgedeckt und die Finanzbehörden schnappen nach Luft. Aber es gibt noch etwas anderes. Die Geschichte eines zwölfjährigen Mädchens, das ihn des sexuellen Missbrauchs beschuldigte.

Was als Zettelspiel im Urlaub beginnt (das Mädchen ist die Freundin eines seiner Söhne), eskaliert, als Pontecorvo mitspielt. Auch nach diesem Urlaub schickt ihm das Mädchen weiterhin Briefe, was immer zwanghaftere Formen annimmt.

Pontecorvo ist sich nicht sicher, wie er damit umgehen soll, und als er es endlich schafft, dem ein Ende zu bereiten, ist es zu spät. Ihm wird Vergewaltigung vorgeworfen.

Hoher Preis

Schon zu Beginn des Buches wird deutlich, dass Pontecorvo eigentlich unschuldig ist, aber dennoch einen hohen Preis zahlen muss. Nicht so sehr, weil ihn der Gang vor Gericht zerstört, sondern aus Angst vor der öffentlichen Meinung. Und was seine Frau und seine Söhne sagen werden.

Aus Scham schließt er sich im Keller ein. Überwältigt von Zweifel und Einsamkeit grübelt er dort über sein ganzes Leben nach. Währenddessen nehmen Frau und Kinder den Faden oberirdisch wieder auf, als ob nichts wäre. Es wird nicht gut enden, das ist sicher. Aber es ist schön geschrieben. Piperno schafft es sehr gut, den totalen Zusammenbruch seiner Figur darzustellen. Und das alles auf den wenigen Quadratmetern des Kellers.

Es erinnerte mich an Ruhiges Chaos von Sandro Veronesi, in dem auch Pietro Paladini seine Schafe auf dem Trockenen hat, dann aber vom Auto vor der Schule seiner Tochter aus dem Schicksal heraus alles wie ein Kartenhaus zusammenbrechen sieht.

langsamer Start

Strafverfolgung ist ein Buch, das sicher nicht jedem gefallen wird. Die ersten 100 Seiten sind etwas zäh, weil man noch so wenig weiß, was passiert ist. Außerdem fehlen Kapitel.

Die Geschichte besteht stattdessen aus 4 Teilen, die jeweils über 100 Seiten umfassen. Man legt es also nicht einfach weg, nachdem man ein Kapitel gelesen hat. „Fortsetzung folgt“, wendet sich der mitunter sehr nachdrückliche Erzähler am Ende des Buches an uns.

Er lüftet eine Ecke des Schleiers: Leos Frau und seine Söhne werden sich in der Fortsetzung dieser grausamen Geschichte ebenfalls für das Geschehene verantworten müssen.

Liebhabern italienischer Literatur empfehle ich auf jeden Fall zuzugreifen.

Staatsanwaltschaft (Verfolgung)
von: Alessandro Piperno
464 Seiten
24,95 €
Verlagskontakt, 2011

Geschrieben von Eduard Hendriks

Ich bin vor fast 25 Jahren zum ersten Mal nach Italien gekommen und komme seitdem jedes Jahr zurück (normalerweise mehrmals im Jahr). Im Alltag bin ich Texter. Als ich im Frühjahr 2009 einen Monat in Neapel verbrachte, kamen mir die Ideen für einen Mafia-Thriller und ich startete im Sommer desselben Jahres dieses Webmagazin. Im Jahr 2012 erschien schließlich der Thriller „Blood Money“. Mittlerweile habe ich drei Thriller veröffentlicht und arbeite an neuen Manuskripten. Zusammen mit einer Reihe begeisterter anderer Italophiler blogge ich weiterhin für This is Italy.

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