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Roman: Eva schläft

Südtirol

Eva schläft ist Francesca Melandris Debütroman. Für uns macht sich dieser Italiener sofort als literarisches Talent einen Namen. Das Buch verwebt auf geniale Weise eine Familiengeschichte mit der Geschichte einer Region in Italien und tut dies auf besonders spannende und lesenswerte Weise.

Südtirol?

Für viele Niederländer Südtirol oder Alto Adige eine wunderschöne Region in Italien. Etwas seltsam ist, dass auch Deutsch gesprochen wird. Für manche ist die deutsche Sprache ein Grund, dort Urlaub zu machen. Für andere ist es nur eine Abschaltung. Sie fahren lieber etwas weiter südlich bis unterhalb von Bozen, um „richtig Urlaub in Italien“ zu machen. Jeder genießt die schöne Natur, die Berge und die vielen touristischen Möglichkeiten im Sommer wie im Winter. Nur wenige wissen, welches Blutvergießen hier stattgefunden hat.

Geschichte der Region

Eva Sleeps deckt etwa 7 Jahrzehnte der Geschichte der Region ab. Wir beginnen 1919, gleich nach dem Ersten Weltkrieg, und enden zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Melandri erteilt uns eine Lektion in europäischer Geschichte mit den Folgen des Großen Krieges und der Annexion eines Teils Österreichs durch Italien. Durch die Faschismus und die Assimilationsversuche des Regimes der Deutschsprachigen bringen uns in die turbulenten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg.

Zurück in der Heimat

In dieser Zeit lernen wir Gerda kennen, geboren von Eltern, die sich während der Kriegsjahre für die Rückkehr ins Deutsche Reich „entschieden“ haben. Sie sind zurück in ihrer „Heimat“, aber das Leben ist alles andere als glatt. Mit sechzehn Jahren beginnt Gerda in einem Hotel zu arbeiten. Wenig später wird sie mit dem Sohn eines reichen Textilmagnaten schwanger, der sie jedoch nicht heiratet. Gerda hat eine Tochter, Eva, und viele Beziehungen folgen. Als unverheiratete Mutter wurde sie damals nicht überall akzeptiert, aber sie kann mit den Besten kochen, womit sie ihr Geld verdient.

Die ewig Ungeliebten

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Ein großer Teil des Buches handelt von den Erfahrungen von Gerda und ihrer Familie vor dem Hintergrund von ethnischem Separatismus, Anschlägen und Politik. Diese Geschichte wird von Zeit zu Zeit von einer Zugfahrt der erwachsenen Eva (der ersten Person in dieser Geschichte) durchschnitten. Sie reist von ihrer Heimat im hohen Norden Italiens bis nach Reggio Calabria im äußersten Süden. Der einzige Liebhaber ihrer Mutter, der ihr wie ein Vater war, liegt im Sterben. Er hat angerufen und will sie noch einmal sehen. Und fragen Sie sie, warum sie seine Briefe nie beantwortet hat.

Wehe den Töchtern liebloser Väter. Ihr Schicksal ist das der ewig Ungeliebten. Nur einmal in ihrem Leben war sich meine Mutter Gerda der Liebe eines Mannes sicher und ich der eines Vaters. All die anderen Männer sind wie Sommerschauer an uns vorbeigezogen, haben unsere Schuhe beschmutzt, aber durstig die Wiesen verlassen. Bei Vito war das anders. Seine Anwesenheit war für sie und für mich wie Juniregen, Wasser, das das Gras wachsen lässt und die Quellen füllt. Und nach ihm ist die Dürre für immer gekommen.
Er hat nicht mehr lange zu leben, sagte er mit müder Stimme.
Und dann: "Ich würde dich gerne wiedersehen."
Ein paar Stunden später mache ich mich auf den Weg. Auf dem Weg nach Süden, auf dem Weg nach Vito.

Die „Hauptgeschichte“ wird in Jahreszahlen (1919, 1964, 1971-1972) und Evas langer Zugfahrt in Kilometern (0 Kilometer, 295-715 Kilometer, 1397 Kilometer) angegeben. Die Zwischenspiele im Zug geben der intensiven und zuweilen verwirrenden Geschichte dieser relativ unbekannten Geschichte die nötige Ruhe.

„Ich habe einen italienischen Pass, meine Muttersprache ist Deutsch, meine Heimat ist Südtirol, dessen Region im Norden und Osten in Österreich liegt. Die Deutschsprachigen sprechen von Südtirol, die Italiener von Alto Adige, was für „Hohe Etsch“ steht. Der Unterschied besteht darin, aus welcher Perspektive man auf den Fluss blickt: von oben oder von unten.“

Große Themen in einer spannenden Geschichte

Die Spannung baut sich gut auf und das Ende des Buches, in dem Eva ihren „Vater“ trifft, den sie so gern gehabt hätte, aber viel zu kurz hatte, ist berührend und schön wie die beste Folge von KRO's Memories.

In Eva schläft verwebt die Autorin eine Vielzahl von Themen geschickt miteinander: unverheiratete Mutterschaft, Homosexualität, ein ethnischer Konflikt, Liebe und Begierde und mehr.

Es ist ein fiktiver Roman, aber der Autor hat sich so weit wie möglich auf reale historische Fakten gestützt. Daher ist es nicht nur eine schöne Geschichte für diejenigen, die schöne Geschichten mögen, sondern auch für diejenigen, die mehr über die Geschichte dieses faszinierenden Teils Italiens erfahren möchten.

Eva schläft (Eva Dorme)
von: Francesca Melandri
Übersetzung: Annelen Habers
480 Seiten
19,90 €
Cossee-Verlag, 2011

Geschrieben von Eduard Hendriks

Ich bin vor fast 25 Jahren zum ersten Mal nach Italien gekommen und komme seitdem jedes Jahr zurück (normalerweise mehrmals im Jahr). Im Alltag bin ich Texter. Als ich im Frühjahr 2009 einen Monat in Neapel verbrachte, kamen mir die Ideen für einen Mafia-Thriller und ich startete im Sommer desselben Jahres dieses Webmagazin. Im Jahr 2012 erschien schließlich der Thriller „Blood Money“. Mittlerweile habe ich drei Thriller veröffentlicht und arbeite an neuen Manuskripten. Zusammen mit einer Reihe begeisterter anderer Italophiler blogge ich weiterhin für This is Italy.

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